Milla und das erfundene Glück

IN DIESEN BÜCHERN STECKT RICHTIG WAS DRIN

Auf meiner unermüdlichen Suche nach besonderen Kinderbüchern, in denen einfach mal was anderes erzählt wird, bin ich auf diesen in zart lachsfarben gebundenen Kinderroman von Rüdiger Bertram gestoßen. Eine Erzählung über das Glück? Für Kinder ab 9? Und das ganz ohne Magie, ohne Einhörner und (andere) Pferde! Die Idee gefällt mir. Das Thema gefällt mir. Was dann erzählt wird, gefällt mir sogar noch viel besser. MILLA ist ein Kinderbuch, das gut unterhält, durch Komik und Intelligenz brilliert und selbst uns Erwachsenen noch eine gute Portion Nachdenken mit auf den Weg gibt. Ein Buch, über das man mit Kindern gern ins Gespräch kommt. Anlass gibt es genug.

Milla lebt bei ihrem Vater, der gern den netten Komiker gibt, obwohl Milla eigentlich längst aus dem Alter raus ist, in dem sie Papa für seine Scherze bewundert. Sie ist ein stabiles junges Mädchen, das leidenschaftlich gern fechtet, die Trennung ihrer Eltern gut akzeptiert hat, das mit beiden Beinen fest auf dem Boden steht und deshalb Papas Job ganz und gar nicht akzeptieren kann. Ihr Vater ist Wahrsager. Im Fernsehen prophezeit er verzweifelten Menschen Glück, an manch einem Abend auch zuhause, um für die Familienkasse dazu zu verdienen. Da Milla hinter der Kulisse, aber nicht hinter dem Mond lebt, weiß sie, dass ihr Vater in Wirklichkeit kein bisschen in die Zukunft blicken und auch nicht Kontakt zu den Toten aufnehmen kann, und sie hadert mit seinem Tun, das sie für glatten Betrug hält. Papa jedoch vertritt einen höchst interessanten Standpunkt: sagt man Menschen Glück voraus oder versöhnt sie mit ihren Verschiedenen im Jenseits, tut ihnen das gut und sie können ihr Glück im Leben tatsächlich wieder finden, als öffne er eine Tür, die zuvor verschlossen war. Natürlich überschlagen sich dann die Ereignisse, wie es in jeder guten Geschichte der Fall sein sollte. Milla lernt einen sehr netten Jungen kennen, zeitgleich jedoch sagt ihr Vater dessen Mutter eine äußerst skurrile Zukunft voraus, so dass er unwillentlich in die Pläne und das Glück der eigenen Tochter eingreift. Tatsächlich verändert sein angeblicher Blick in Zukunft und Jenseits eine Menge im Leben von Mutter und Sohn, so dass man vielleicht Momente lang sowohl an Magie als auch an Papas Glücksbringer-Ideen glauben mag, bis schließlich klar wird, dass wahres Glück ausschließlich im verstrickten Miteinander der Menschen zu finden ist, die das Leben gerade zusammenwürfelt. Wenn sie fähig sind, einander genau anzuschauen.

Ein Buch, in dem keiner absolut Recht hat, jede Figur uns auf ihre Art sympathisch wird und wir nach der Lektüre mit etwas wacherem, helleren Blick durch die Gegenwart spazieren. Ein wundervolles Kinderbuch.

Rüdiger Bertram: MILLA UND DAS ERFUNDENE GLÜCK. Ravensburger. 2017. #_ISBN_978_3_473_40806_1. 192 Seiten. LW_ab_9_Jahren 12,99 €

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