Ich will so gerne anders sein

Eine Geschichte zum Vorlesen, die in die Welt der kleinen Wesen entführt. Eine zauberhafte, abenteuerliche Geschichte voller Gefahren, seltsamer Wesen und echter Freundschaft. Vom Altmeister niederländischer Erzählkunst für Kinder: Paul Biegel.Ab 5 Jahren.

Paul Biegel: ICH WILL SO GERNE ANDERS SEIN. Urachhaus 2014. #_ISBN_978_3_8251_7807_9. 190 Seiten. Hardcover. LW_Ab_5_Jahren. €

Seit jeher haben sich Menschen jeden Alters von der Idee bezaubern lassen, wie es wäre, plötzlich ganz klein zu sein, eine Wiese als undurchdringlichen Dschungel zu erleben, ein Insekt als gefährliches Ungeheuer, eine Blume als nahezu im Himmel schwebenden Palast.

In diesem Buch wird der Traum für viele zauberhafte Vorlesestunden wahr.

Ein Traum, der hin und wieder natürlich auch zum Albtraum wird.

Ein kleiner Junge, tollpatschig, ungeschickt und obendrein auch noch unbegabt verzweifelt über dem Einmaleins mit Sieben. Er wünscht sich, ganz jemand anderes zu sein – und sein Wunsch wird ihm erfüllt. Er schrumpft auf die Größe einer Ameise und lernt das fabelhafte Federchen kennen, ein zartes, kleines, weißes Mädchen, das zur fliegenden Feder wird, sobald ein Windhauch es ergreift. Zusammen mit ihm und dann getrennt von ihr, macht der Junge, den alle jetzt Anders nennen, sich auf die Suche nach dem großen Magier, der ihm dabei helfen soll, auch charakterlich ein anderer zu werden. Dies aber ergibt sich natürlich ganz von allein, wenn man von einem großen Abenteuer in das nächste stürzt, wie wir großen weisen Leser uns natürlich alle schon denken konnten. Und wie wir es so gern, wieder und wieder erzählen.

Die Geschichte von Anders ist ganz besonders erzählt, was mir an ihr so ausgesprochen gefällt. Wie von Paul Biegels Erzählungen gewohnt, taucht man auch hier ganz und gar in die Welt ein, die es als Geschrumpfter ganz neu zu entdecken gilt. Das heißt, das Irren durch die Gänge des großen Ameisenhaufens ist nicht nur abenteuerlich geschildert, sondern auch voller sinnlicher Eindrücke. Wie klingen Schritte und Stimmen im Ameisenhafen, wie ist das Licht, wie atmet es sich hier, welche Gefahr könnte hinter welcher Biegung lauern? Biegel begibt sich auf diese Weise genau in die Gedanken- und Fantasiewelt eines Kindes. Und genau das ist es, was Kinder erzählt haben möchten. Wunderbar und wundersam.

Ein „Unendliche-Geschichte-Buch“, wie ich es gerne nenne, eins, das in Phantásien spielen könnte, – das dort spielt! -, eins, über das ein Michael Ende sich sehr gefreut hätte, der ja das Schwelgen in Fantasie einen Schatz nannte, der weiter höher einzustufen ist als jede Pädagogik.

Die Pädagogik wird ganz nebenbei auch ein wenig auf’s Korn genommen. Und Erwachsene, die nicht ganz genau hin-lesen, würden das Buch womöglich als eine wertvolle Erzählung bezeichnen, bei der man das Siebener-Einmaleins nebenbei lernt. Man lernt viel Wichtigeres, aber Hauptsache, diese schöne Erzählung kommt an die Kinder.

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