Mit Feuereifer und Herzenslust

Bücher, die es in sich haben.
Hier mal eins für Erwachsene, die genau wie ich ein Faible für Worte und Sprache haben.

„Wem das Herz voll ist, dem geht der Mund über.“ Sprachwissenschaftler Hartmut Günther erzählt davon, wie viel Freude es ihm bereitet hat, dieses Buch zu schreiben. Jedes Mal, wenn ein Artikel zu einem Luther-Wort fertig war, musste er ihn einfach seiner Frau vorlesen, schreibt er – und hat so auf elegante Weise auch schon wieder einen Spruch erläutert, der auf den Reformator zurückgeht. Ein überlaufendes Herz. Ein sprudelnder Mund… Wie schön.

Mir hat es als Sprachwissenschaftlerin ungeheure Freude gemacht, dieses besondere „Wörterbuch“ zu lesen. Unfassbar, wie viele und wieviele bildhaft schöne Ausdrücke unserer Sprache auf Luthers Bemühungen zurück gehen, das Neue Testament adäquat ins Deutsche zu übertragen. Da wird immer wieder betont, Luther hätte beim Übertragen des Bibeltextes dem Volk auf’s Maul geschaut – was ja auch stimmt. Doch hat er sich, wie ich seit dieser Lektüre weiß, vor allem auch ganz genau in die griechischen, lateinischen und sogar, soweit er dazu imstande war, die hebräischen Originaltexte vertieft und deren bildhafte Ausdrucksweise versucht, möglichst schön zu übernehmen. So kann man seither auch im Deutschen … mit Blindheit geschlagen werden, perplex vor einem Buch mit sieben Siegeln stehen, jemandem ein Dorn im Auge sein, im Dunkeln tappen, mit Engelszungen reden, sich entrüsten oder aber sich ins Fäustchen lachen. Mit Feuereifer agieren, etwas auf die Goldwaage legen, jemandem sein Herz ausschütten, Lückenbüßer sein oder eines anderen Maul stopfen, Perle vor die Säue werfen, auf Sand bauen, der Stein des Anstoßes sein oder hier und da sein Scherflein beitragen. Um nur einige Beispiele zu nennen. Wieviel ärmer wäre unsere kommunikative Welt ohne die von Luther geprägten Begriffe, von denen in diesem Buch des Duden-Verlags mehr als 70 in alphabetischer Anordnung versammelt sind. Jeder dieser Ausdrücke wird erklärt, seine genaue Herkunft erläutert, sein Gebrauch spezifiziert. Hinein vertieft hat Luther sich in die Sprachwendungen, die ihn umgaben, versuchte wortgetreu zu übersetzen, sinngemäß oder auf damals schon allseits bekannte Sprichwörter zurückzugreifend das Ganze für die Leser, die er im Auge hatte, nicht nur schön, sondern eben auch begreiflich zu machen. Eine fantastische Leistung, die ich sehr bewundere.

Solltet ihr im Lutherjahr doch auch noch was über die Ereignisse und beginnenden Veränderungen von vor 500 Jahren in Wittenberg lesen wollen, obwohl ihr weder großes historisches noch theologisches Interesse habt, ist dies eine echt empfehlenswerte Lektüre, die auch die wichtigsten Ereignisse zusammrnfasst, dann aber eine Sammlung von Redewendungen und Begriffen ist, die bis heute aus verschiedensten Gründen einen besonderen Platz in unserer Sprache und Kultur haben. Mit dem Wissen darüber könnt ihr geradezu ein bisschen glänzen. Auf jeden Fall bringt es den eigenen Verstand zum Funkeln, lässt das Herz überlaufen und macht einfach Freude.

Hartmut Günther:
FEUEREIFER UND HERZENSLUST. WIE LUTHER UNSERE SPRACHE PRÄGTE.
Duden, 2017.
#_ISBN_978_3_411_75427_4.
Fester Einband, 128 Seiten
LW_Für_Erwachsene und alle Sprachinteressierten. 13,40 €

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