Guten Morgen, kleine Straßenbahn

Manche Bilderbücher sind so poetisch schön,

dass man sie sammeln und ganz für sich behalten möchte.

In einem Alter, in dem unsere Kinder noch nicht durch quietschbunte Fernsehbilder getrimmt sind, erreicht sie diese Poesie eines solchen Buches noch.

Ganz besonders wunderbare, leise Vorlesestunden, stilles Betrachten und gemeinsames Träumen sind dann möglich…

Wenn die Straßenbahn sich an der Haltestelle „Morgenstund“ so langsam für den Tag bereit macht, alle noch ein bisschen müde sind, aus den Straßenlaternen noch Licht kommt, der Kiosk seine Lade und die Bäckersfrau ihr von innen heraus warm leuchtendes Café öffnet, dann ist sie in einem Bild da: diese ganze Stimmung eines frühen Morgens, der sich aufschwingt zum erlebnisreichen Tag zu werden. 

Wenige Häuschen, ein paar Figuren, nahezu nostalgisch mit seichtem Strich gezeichnet, eröffnen Seite um Seite das Panorama einer Großstadt, die wir gemeinsam mit der kleinen Straßenbahn und ihren Fahrgästen durchkurven. Nach jeder Haltestelle wird die Straßenbahn für uns gläsern und wir können eine Doppelseite lang betrachten, was drinnen vor sich geht. Kleine Geschichten werden erzählt. Von Seite zu Seite und mit verstreichender Zeit mehr. Obwohl die einzigen gedruckten Worte die Namen der Haltestellen und der Geschäfte sind. Der Morgen nimmt seinen Lauf, kommt in Gang, wird quirliger, bis beim Jahrmarkt angekommen das Leben dann so richtig tobt. An dieser Stelle verlassen wir die Geschichte voller Geschichten, denn der Zauber des Anfangs, von dem uns das Buch berichtet, ist an dieser Stelle durch etwas Neues ersetzt.

Ein Buch zum Aufwachen. 

Wunderschön. 

Ab 3 Jahren.

Julie Völk: GUTEN MORGEN, KLEINE STRAßENBAHN. Gerstenberg 2016. #_ISBN_978_3_8369_5912_4. 28 Seiten. Fester Einband. 14,95 €