Michel aus Lönneberga

Bekannt ist er als der Lausejunge aus Småland, der nichts als Streiche im Sinn hat. Astrid Lindgren stellt ihn uns im Buch ja selbst so vor. Er sähe aus wie ein richtiger kleiner Engel, schreibt sie, aber da sollen wir uns bloß nicht täuschen. Vielleicht hat diese Ankündigung das Gerede über den Michel ja geprägt. Dabei hatte sie doch immer diese Zwinkern im Auge, die wunderbare Astrid Lindgren. Lasst uns das ja nicht übersehen! Michel ist eine der wunderbarsten Figuren des Kinderbuchs. 
Das Haus der Svenssons in Katthult, Lönneberga. Hier wurden die Michel-Filme gedreht.

Michel als Lausebengel zu bezeichnen, ist schon ein starkes Stück. Der blauäugige schwedische Blondschopf, der nicht möchte, dass Suppe verschwendet wird, der seiner kleinen Schwester den sehnlichen Wunsch erfüllt, die Welt von oben zu sehen, der sogar für die Guttempler-Bewegung gegen den Missbrauch von Alkohol kämpft, die Armen speist und nicht zuletzt Alfred, dem Knecht, das Leben rettet, er ist ein guter Junge. Ein wissbegieriges, fröhliches, überaus lebendiges Kind. Ich hab ihn schon als Kind in mein Herz geschlossen. Und da schlüpft er nie wieder raus.

Nur wer nicht genau hinhört bei den Geschichten von Michel, könnte ihn für wild und ungezogen halten. Selbst sein geplagter Papa weiß im Grunde seines Herzens, das er einen kleinen Jungen hat, der für Größeres geboren ist. 

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Michel von Lönneberga ist durch und durch eine wunderbare Identifikationsfigur für unsere Kinder. Denn er steht ein für die, die er liebt. Dazu zählen auch Tiere und sogar Dinge. Darüber hinaus ist selten ein ganz normaler Bauernjunge so unterhaltsam für die ganze Familie gewesen. 
Die hinkende Lotta. Der Tischlerschuppen. Das Spiel Pick-dich. A-halfred! Und so vieles mehr sind bei uns stehende Begriffe geworden. Unvergessliche Episoden.

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Die Idylle des bäuerlichen Alltags im Südschweden zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit seiner Ruhe, seinen Weiden, Wiesen und lichten Wäldern, seinen Seen, den einfachen Menschen und ihren unheimlichen Geschichten von Kobolden, Wassergeistern und Gespenstern, die in den Michel-Erzählungen Astrid Lindgrens eine wahre Hauptrolle spielt, tut unseren Kindern gut. Lassen wir uns mit ihnen darauf ein. Überspringen wir (bitte) die heutige Haltung des „Da ist ja nix los…“, die ich mir von Kindern und ihren Eltern über die Michel-Geschichten anhören musste (fassungslos), nehmen uns die Zeit, Michel Kapitel für Kapitel vorzulesen und auf uns wirken zu lassen. Was da alles los ist, ist das Leben in seiner herzerwärmendsten und ehrlichsten Form.

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LESEWEIS® empfiehlt: Keine Kindheit ohne "Michel in der Suppenschüssel", "Michel muss mehr Männchen machen" und "Michel bringt die Welt in Ordnung". Lest die Bücher. Hört die Hörbücher. Schaut die wunderbaren Verfilmungen. Es gibt auch noch die kürzeren Erzählung "Michels Unfug Nr. 325" und "Nur nicht knausern, sagte Michel aus Lönneberga" und "Als Klein-Ida auch mal Unfug machen wollte". Zauberhafte Bilderbücher noch dazu. Ihr tut euch und euren Kindern mit diesen Geschichten einfach nur Gutes. Wer als Kind den Michel kennenlernt, hat eine Figur, die ihn durch's Leben trägt. 

Alle Michel-Bücher sind beim Oetinger-Verlag in Hamburg erschienen, Astrid Lindgrens Haus- und Hofverlag in Deutschland. Der wunderbare Kinderbuchverlag wird nicht müde, alle Michel-Titel zu liefern. Nach so vielen Jahren immer noch. Wunderbar.

Auf der Veranda von Alfreds Knechtekammer. Der Hof „Katthult“, auf dem die Michel-Filme gedreht wurden, ist mittlerweile eine Touristenattraktion in Småland. Obwohl der Hof noch immer in Privatbesitz ist und bewohnt wird. Ein Ort, den ihr besuchen solltet, wenn ihr mal in Südschweden seid.
Zum Weiterlesen und Informieren: Wusstet ihr, dass Michel sowohl von Astrid Lindgrens Vater als auch von ihrem Bruder inspiriert ist? Viele der Michel-Geschichten sind wirklich passiert. Die Astrid Lindgren Company hat viel Wissenswertes über Michel auf ihrer wunderschönen Website zusammengetragen. Da kann man sich kaum sattsehen und sattlesen. Schaut nur selbst!