Der geschriebene Weihnachtsmarkt

Im Trubel oder in der Nostalgie

Wir stehen zwischen zwei Weihnachtsmärkten irgendwo draußen auf verlassenen Straßen. Beide ziehen uns an und stoßen uns ab. Das kleine, budenhafte Markttreiben unserer Erinnerung, duftend und glitzernd, rotgolden leuchtend und vom Boden her frierend, lockt uns mit seinem Heiße-Maroni-Hauch und dem schiefen Trompeten geliebter Melodien. Doch ist das nicht nur ein kitschiger Traum aus Bilderbüchern und längst vergangenen Tagen, dem es gefährlich naiv ist anzuhängen?

Der andere Markt, der uns anzieht, wird von Polizisten bis an die Zähne bewacht. Wer als Kind schon vorm Knecht Ruprecht schlotterte, lässt sich da nur schwer auf andere Gedanken bringen. Auf diesen Jahrmarkt der Verlockungen – Wein, so viel süßer noch als sonst; Wurst, triefend vor Fett; und all der bimmelnde, bammelnde Glitzerkram, Loddel aus China oder Marke aus Erzgebirge, der uns das Geld aus der Tasche zieht, wie ein Niffler dem Muggel… Was sollen wir da?

Spielen, Naschen, Träumen hier?

Sich verführen lassen, Geld ausgeben, beim Frieren verglühn dort?

Oder doch den Markt verlassen. Auf still erleuchtetem Weg weiterwandern bis hinaus auf’s freie Feld? Glücklich, wer sich nicht entscheiden muss. Wie so weit, so vielfältig, so bunt, so gefährlich, laut, neu, still und wie ehedem – die Welt.

Konstanze Keller

Wir sammeln Geschichten, Gedanken, Eindrücke, Poetisches und Nachdenkliches vom Weihnachtsmarkt, um lesend über ihn zu schlendern, falls sich das weihnachtliche Gefühl in der Hektik des Alltags sonst nicht einstellt. Eine Inititive von LESEWEIS®-Art&Weise. Wer mitmachen möchte, ist herzlich eingeladen, weihnachtsmärktische Texte beizusteuern. Bitte senden an mail@leseweis.de

Bei unserem Bummel über den geschriebenen Weihnachtsmarkt, begegnen uns Menschen, die nahezu flüchtend in die andere Richtung unterwegs sind. Und wir geben Autor und Verleger Rolf Thum Recht: der ganze Rummel rund um Weihnachten überschreitet rasch manche Grenze. Danke für den Advents-Rap als Beitrag zu LESEWEIS®‘ geschriebenem Weihnachtsmarkt.

Wie schön – poetische Gedanken zum Trubel, wo es duftet und drängt… Ein Haiku von Ilka Schlüchtermann.

Und eine Erinnerung von Petra Höfker

Da drüben! Am Stand mit den Weihnachtsbäumen steht eine Familie und streitet, nein, diskutiert im schönsten Kurpfälzisch. Tja, der richtige Weihnachtsbaum, keine einfache Entscheidung. Vielen lieben Dank, Walter Sauer, für den köstlichen Beitrag zum geschriebenen Weihnachtsmarkt: „Bloß kään Chrischtbaamstress“

Die Kinder aber, ich seh’s genau, haben sie noch, diese Weihnachtsmarktaugen… Ein Haiku von Birgit Hatzfeld

Und dann diese seltsame, wunderbare Begegnung auf dem Weihnachtsmarkt, die Anette Rehfuss uns schildert. Die Zeit vor Weihnachten öffnet eben doch und auch auf unseren übervollen Märkten besondere Türen… Lieben Dank für diese Geschichte!

Wie schön kann es sein auf unserem Weihnachtsmarkt: Eine Momentaufnahme von Inga Kristin.

Und wie seltsam, was da auftaucht, wenn der Strom auf dem Weihnachtsmarkt versagt. Ich selbst erzähle euch nun vom Stromausfall auf dem Weihnachtsmarkt.

Susanne Boeuf nimmt die Sicht der Esel ein… Kopfschüttelnd schauen sie dem Treiben der Menschen zu. Die menschlichen sind derweil beschäftigt mit dem Schichtwechsel.

Träge schlingernd nimmt Caroline Pfeiffer den Weihnachtsmarkt wahr; sie wurde von einem Gedicht von Hendrik Marsman aus dem Jahr 1936 inspiriert: Herinnering aan Holland

Ganz vielleicht aber, und da macht uns Jochen Kathöfers Geschichte drauf aufmerksam, sehen nur Kinderherzen den echten Weihnachtsmarkt.

Barbara Kübler-Härle empfindet es ebenso. Der Weihnachtsmarkt, ein Erlebnis des Kindes.

Und hier kommt noch ein Beitrag aus kindlicher Sicht, die Geschichte von dem Geschenk der Honighexe, die mehr ist als „nur“ ein Weihnachtsmarktbeitrag, doch davon erfahrt ihr etwas später im Winter. Die Autorin verschleiert sich noch hinter dem Kürzel CAH.